Die Gründung der
Marie-Seebach-Stiftung

“…wenn es die Marie Seebach Stiftung und ihren Auftrag nicht gäbe, müsste sie schleunigst gegründet werden“,

so Frank-Michael Pietzsch, ehemaliger Thüringer Sozialminister in seiner Rede zum 100. Geburtstag der Marie-Seebach-Stiftung am 02. Oktober 1995.

Marie Seebachs Wahl fiel auf Weimar, Herz der deutschen Klassik, Wirkungsstätte von Goethe und Schiller, Herder, Wieland, Bach und Liszt - idealer kann ein Wohnsitz für alternde Künstler nicht sein.
Großherzog Carl Alexander und seine Frau Sophie unterstützten Marie Seebach und überließen der Stiftung kostenlos ein Grundstück in der Tiefurter Allee.

„Ein herzlich Anerkennen ist des Alters zweite Jugend“, mit diesen Worten Goethes wurde am 02. Oktober 1895 das Gründungshaus der Marie-Seebach-Stiftung eingeweiht.

Die Anfänge waren durchaus bescheiden, vierzehn deutschen Bühnenkünstlern, die durch Alter oder Krankheit ihren Beruf nicht mehr ausüben konnten, schaffte Marie Seebach ein freundliches Haus. Die Wohnräume wurden behaglich eingerichtet, Verpflegung, Heizung, Strom und die Reinigung der Wäsche - alles war kostenlos und die Arbeiten die geleistet werden konnten, wurden gemeinsam verrichtet.

Dies war eine einzigartige Idee, denn oft befanden sich die alternden Künstler in einer prekären finanziellen Lage. Zeit und Umstände der Theaterarbeit erlaubten oft nicht, eine Familie zu gründen, die in der Zeit die Versicherung im Alter waren.

“Ein Altenheim für deutsche Bühnenkünstler
war und ist einmalig in Deutschland“

1895 eröffnet, wurde die Stiftung bereits 1899, zwei Jahre nach dem Tod der Stifterin durch ihre Schwester Wilhelmine Seebach wesentlich erweitert.
1937 ließ Emmy Sonnemann-Göring ein weiteres Altenheim für Bühnenkünstler unweit der Marie-Seebach-Stiftung errichten. Eine Vereinigung beider Häuser erfolgte im Sommer 1945.

Der langjährige Kurator Hinrich Holtz verstand es mit Geschick, die Stiftung durch die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Epochen zu führen und dabei ihre Eigenständigkeit zu bewahren: Ende der Kaiserzeit, Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus, 2. Weltkrieg, DDR Zeit.
Bis heute erfüllt die Stiftung den ihr gesetzten Zweck, eine Heimstatt denen zu bieten, die ihr Leben in den Dienst von Kunst und Kultur stellen.
Darüber hinaus ist die Stiftung aber auch ein Wohnsitz für alle älteren Menschen, die Hilfe in Anspruch nehmen wollen und eine stilvolle Geselligkeit bevorzugen, denen Kunst und Kultur ein Bedürfnis sind und, die sich dabei doch Sicherheit und Geborgenheit in einer familiären Atmosphäre wünschen.

Die Marie-Seebach-Stiftung präsentiert sich heute als Wohnanlage, in der Tradition und Gegenwart nicht nur in der Architektur erkennbar sind, sondern auch in diesem Spannungsbogen besonders gelebt wird.

Mitarbeiter
Günter Moderegger
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